26,4

Ich bin stolz auf meinen Körper.
Ich fühle mich gut, so wie ich bin.
Ich mag meine Rundungen.

Ich habe einen BMI von 26,4.

Im Radio wurde mir letztens klargemacht, dass die britischen Frauen, mit einem BMI von durchschnittlich 26,3, die dicksten Frauen europaweit und damit stark übergewichtig seien.
Ich wiege 66kg auf 1,58m. Und ja, es ist immer mega unangenehm das eigene Gewicht preiszugeben.

Ich arbeite im Sportbereich für eine größere Frauensportclubkette.
Seit über 9 Jahren.
Ich mache mindestens 2-mal pro Woche Sport, ob zu Hause oder im Studio, habe eine kleine Hündin mit der ich jeden Tag größere Runden spazieren gehe.
Ich bin mehr als aktiv.

26,4

Mein Körper war nicht immer so „stark übergewichtig“ gewesen.
Bis ich 20 Jahre alt war, bestand ich, wie Opa so schön sagte, nur aus Haut und Knochen.
Unter uns Kindern hieß ich: Skelett, Gerippe oder Hungerhaken.
Und ja, was das Essen betraf, war ich sehr wählerisch. Aber das hatte nichts damit zu tun, dass ich schlank bleiben wollte. Ich hatte zwar einen Sixpack, allerdings keine Brüste. Brüste, die wünscht sich jedes pubertierende Mädchen. Ich wollte wirklich gern zunehmen.
Ich wurde regelmäßig zum Einzelgespräch mit meiner Klassenlehrerin geladen, die mich dann über mein Essverhalten ausfragte. Später saß ich heulend vor meiner Schuldirektorin, die mir Magersucht oder Bulimie unterstellte.
Ich war kerngesund.

Mit 20 platze dann der Knoten. Meine Figur wurde weiblicher. Ich freute mich über jedes dazugewonnene Kilo und fühlte mich sehr attraktiv.

Bis vor circa einem Jahr, damals wog ich schon genauso viel wie heute, konnte ich mir diese Attraktivität und Freude über mein Gewicht bewahren. Ich war froh endlich nicht mehr so mager zu sein. Liebte tatsächlich jede Rundung an mir und fühlte mich mega gesund.

Doch irgendwann traf der Selbstoptimierungstrieb dann auch mich. Highlighter sollten mein Gesicht schlanker aussehen lassen, meine Strumpfhosen hatten eine „x-tra in shape“ Funktion bekommen. Und als ich in Arbeitssportklamotten über die Straße lief und mir ein älterer Herr zurief, ich sollte doch auch erstmal abnehmen, hatte ich kurze Selbstzweifel. Ich betrachtet mich länger im Spiegel, begutachtete jede noch so kleine Fettfalte. Machte nicht mehr aus Spaß Sport, sondern aus Pflicht. Versuchte mir einiges an Essen zu verbieten. Hatte dabei oft schlechte Laune.

26,4

Ja, vielleicht mag man da in offiziellen Kreisen von Übergewicht sprechen. Aber ich glaube nicht, dass meine jetzige Figur einen riesigen Einfluss auf meine Sterblichkeit haben wird.
Im Gegenteil: wenn ich weiter so schlecht gelaunt bin, weil ich mir leider nur einmal im Monat eine Pizza gönnen darf oder weil ich mir die neue Hose in einer Größe 40 kaufe, mich dann da reinquetsche, nur um nicht zur 42 greifen zu müssen, dann werde ich bald schon krank werden.

Dies ist ein Plädoyer für alle Frauen, die den BMI von 25 geknackt haben.
Ihr seid schön.
Schaut euch an.
Wie gesund ihr ausseht.
Esst auf was ihr Lust habt und seid einfach weiterhin in eurem Alltag aktiv.

Lassen wir uns nichts vom perfekten BMI, der perfekten Kleidergröße oder dem perfektem LOW-Carb-Gericht einreden. Ich kenne niemanden, der einen grünen Smoothie aus Spinat, Löwenzahn, Kohlrabi und einem Schuss Rhabarbersaft auch nur annähernd als „lecker“ bezeichnen würde.

Fühlt ihr euch gesund? Habt ihr Power und Energie um den Alltag und Job zu meistern? -Dann wiegt ihr genau richtig.

Das Glückshormon „Serotonin“ wird u.a. nur dann gebildet wenn wir gut gegessen und uns bewegt haben. Und ich bin lieber glücklich und gesund als unzufrieden und krank.

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