Onychophagie- die Last der Nägelkauer*innen

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Ich habe bisher noch nie öffentlich darüber gesprochen.
Ich leide unter Onychophagie.
Auf Deutsch: Ich kaue an meinen Fingernägeln.
Und ja, das ist absolut nicht schön.

Das Nägelkauen fällt unter die Begriffe der „Selbstschädigung“ und „Selbstverletzung“ und gilt als Verhaltensstörung. Auch Tiere können unter Onychophagie leiden, wobei man bei Schafen, die an ihren eigenen Klauen nagen, sogar von Kannibalismus spricht. Witzig. Vielleicht bin ich ja auch Kannibalin.

Solange ich denken kann, kaue ich schon auf meinen Nägeln. Abgeschaut habe ich mir das Ganze von meiner Mutter. Quasi mit in die Wiege gelegt bekommen. Sie hat den Absprung jedoch noch geschafft. Dabei hatte sie ein Ziel: Kosmetikerin werden. Da kann man sich Fingernägelkauen einfach nicht erlauben.

Ich möchte weder Kosmetikerin noch Handmodell werden, allerdings gibt es auch Momente, bei denen ich meine Hände bewusst verstecke. Bei Bewerbungs- und Bankgesprächen, Dates, vor Fotografen, die mich als Poetry Slammerin ablichten wollen und bei Handvergleichen (meine Hände und Finger sind verdammt klein und stummelig). Hände sind ja bekanntlich die „Visitenkarte“ des Menschen.

Ich habe schon viele Dinge ausprobiert, um mir diese lästige Angewohnheit abzugewöhnen.

Durch ein Kauprotokoll stellte ich fest, dass ich, im Gegensatz zu Menschen, die an den Nägeln kauen, wenn sie nervös sind, es aus purer Langeweile mache. Wahrscheinlich löst dieser geistige Leerlauf in mir eine Unruhe und Unzufriedenheit aus, die ich dadurch befriedige. Umso mehr meine Familie und Freunde mich abhielten zu kauen, desto mehr kaute ich. Ich kaufte mir bitter schmeckenden Nagellack, doch gewöhnte mich irgendwann an diesen Geschmack. Ich verzierte meine Fingernägel mit den tollsten Nagellackfarben, knabberte die Farbe jedoch schnell wieder ab. Ich ließ mir in einem Manikürestudio künstliche Nägel für sehr viel Geld machen (obwohl ich solche Nägel furchtbar hässlich finde!), doch irgendwann nagte ich auch an ihnen. Ich kaute Unmengen an Kaugummi, nur um meine Finger in Ruhe zu lassen. Ich schloss Wetten ab. Doch mit jedem gescheiterten Versuch wurde ich unzufriedener und ärgerte mich über mein geringes Durchhaltevermögen. Glaubt mir, ich würde gern sofort damit aufhören wollen!

Als nächstes werde ich es wohl mit Hypnose versuchen. Ich werde davon berichten!

An alle Mitleidenden: Ich bin ein Teil von euch.
Nur weil wir an unseren Nägeln kauen, haben wir weder eine Charakterschwäche oder sind ungepflegt, noch sind wir depressiv oder haben sonstige psychische Erkrankungen (ist euch schon mal aufgefallen, dass in Filmen oftmals Psychopathen an den Fingernägel kauen?). Es ist einfach nur ne schlechte Angewohnheit. Und es gibt auch einen positiven Aspekt: unsere Emotionen werden dabei stimuliert und reguliert. Ich arbeite damit sogar kreativer.

Es bleibt uns nur der Trost, dass wir damit nicht allein sind und jede*r 10. Erwachsene in Deutschland ein*e Nailbiter*in ist.

Habt ihr das Wundermittel gegen Nägelkauen gefunden? Wie seid ihr das Laster losgeworden? Schreibt es mir gern in die Kommentare.

Ein Kommentar zu „Onychophagie- die Last der Nägelkauer*innen

  1. Schön, dass das mal jemand so einfach zugibt… ich habe mein Nägelkauen auf Nagelhautzupfen umgeleitet…auch nicht super, aber ein bisschen unsichtbarer.

    Mittlerweile sind meine Hände sehr beschäftigt (hallo Bürojob), sodass ich kaum dazu komme, herum zu zupfen..

    Sonst kann ich nur Hand-Nägelcreme empfehlen, die war sogar noch ekliger als der Dont-Bite-Nagellack.
    Und Nagelöl (entweder aus der Drogerie oder Haushaltsolivenöl)

    Was mir auch hilft: nicht dagegen anzukämpfen. Ja, es sogar bewusst „zelebrieren“. Es einfach als einen Teil von mir akzeptieren. Dann kann ichs sogar oft besser unterlassen.

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