Think Pink

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Quelle: pinterest

Kaum eine Farbe löst wohl immer wieder eine derartige Kontroverse aus wie Pink oder Rosa. Ihre Facetten reichen von einem milden Lachston bis hin zu einem shocking pink. Meist ist Pink knallig und präsent, es ist laut und offen und auf jeden Fall unübersehbar.
Pink ist was für Mädchen. Was für Prinzessinnen und tagträumende Butterblümchen, für Einhornliebhaberinnen und Glitzerfeen. Pink ist was für schwule Jungs, für transsexuelle/-idente Jungs, für Jungs die eigentlich ein Mädchen sind.
Doch woher kommt das? Warum ist PINK zu einem Dämon geworden, der dich mit wenigen atemberaubenden Augenaufschlägen in Prinzessin Lilifee verwandelt?

Pink ist nur was für Mädchen?

Noch vor hundert Jahren war das alles ganz anders. Damals galt Rosa als eine beliebte Farbe für Jungs, Blau hingegen wurde für Mädchen ausgewählt.

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Quelle: kath-zdw.ch

So wurde die heilige Jungfrau Maria auf vielen Gemälden in einem blauen Gewand dargestellt. Rosa hingegen wurde aufgrund des adeligen Rots eher für Jungs ausgesucht. Ebenso wie vor einigen hundert Jahren Männer gern Perücken und High Heels trugen, oo trug man eben auch Rosa. Ganz normale Männlichkeit.
Doch plötzlich änderte sich die Genderverteilung der beiden Farben. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Blau der Marine und der arbeitstreuen Blaumänner als stark und heroisch angesehen – Eigenschaften, die Frauen natürlich niemals haben könnten. Und so wurde Blau zunehmend zu einer Farbe für Männer, während Mädchen eben auf dem Rosa sitzen blieben.
So weit so scheiße. Inzwischen hat sich diese Geschlechterverteilung im Mainstream durchgesetzt. Auf Babyparties gibt es Gender Reveal Cakes. Es gibt Lego Friends und Überraschungseier für Mädchen. Alles strahlt einem in hot pink oder Pastellrosa entgegen, man möchte schreiend weglaufen und nur noch schwarz tragen.

 

Alles außer Pink

Und so war es dann in meinem Teenageralter der Fall. Ich hasste Pink, Rosa, alles was nach Mentos aussah. Ich wurde mit 15 Emo und trug nur noch schwarz. In den Haaren, auf den Augen, auf der Haut und sowieso war das eine sehr schwere Zeit für mich.
(Was vor allem daran lag, dass ich nicht viel Alkohol vertrug, nach einem Glas Sekt schon gekotzt habe und mit meiner verschmierten Schminke immer wie ein bemitleidenswerter Panda aussah.)
Auf keinen Fall wollte ich jemals Rosa tragen, ich wollte keines von diesen Mädchen sein. Ich war anders, ich war cool, ich hing mit Jungs ab und paffte auf Backe. Rosa hätte in dieses Weltbild einfach nicht rein gepasst. Rosa war für Mädchen, die bei Jungs immer dümmlich kicherten und sich schon die Augenbrauen zupften. So verharrte ich in meiner belanglosen Rebellion und kam mir dabei ziemlich schlau und erwachsen vor.

Leider hatte ich eine entscheidende Sache nicht begriffen: Indem ich mich so vehement von Rosa abwandte, akzeptierte ich insgeheim den Genderzwang der Farben. Ich akzeptierte, dass Rosa eine Farbe für Mädchen sei und wollte ich mich abgrenzen, musste ich mich dieser Farbe eben verweigern.
Anstatt einfach drauf zu scheißen und zu tragen, worauf ich Lust hatte, witzelte ich über pinke Girlies und zog den schwarzen Eyeliner noch mal nach.

In den letzten Jahren jedoch scheint Pink eine Revolution zu durchleben. Immer mehr wird es einfach als Farbe akzeptiert, die man eben tragen kann oder nicht. Egal welches Geschlecht. Wenn man als stylischer Mensch etwas auf sich hält, greift man eben auch mal zu dieser Trendfarbe.
Pink wurde außerdem zu einem Statement von Weiblichkeit und weiblicher Präsenz, ohne damit in genderdefinierte Rollenbilder zu verfallen. Nicki Minaj taufte ihr drittes Studioalbum The Pinkprint, angelehnt an Jay Z’s Meilenstein von Album The Blueprint, und zementierte damit ihren Status als best selling Female MC. Die Gang der „Pink Ladies“ aus dem Kult-Klassiker Grease gelten als Vorbild für emanzipierte und coole Girlgangs. In Second Hand Läden hängen Trainigsjacken von Fila im grellen Retro-Pink und unser Lippenstift ist knalliger denn je.

giphy

Die Revolution einer Farbe

Indem wir zunehmend starke Rollenbilder abbauen und Gender als ein Spektrum verstehen, erlebt diese einst so verhasste Farbe derzeit eine Revolution. Einhörner sind cool geworden, Glitzer gehört nicht mehr nur auf Festivals und Männer tragen Rosa, auch wenn sie nicht BWL studieren.
Vor allem dem progressiven Modegeist der LGBTIQ-Community ist dieser Trend zu verdanken. Viele queere Menschen experimentieren mit Farben, um ihre Identität auszudrücken, um sich sichtbar zu machen und bewusst Gendergrenzen zu verwischen.

Drag Queens präsentieren ihre überbordende Persönlichkeit in aufwendigen Kostümen und Make-Up Looks, die uns ihre Starattitüde selbstbewusst ins Gesicht klatschen.
Es gibt immer mehr Fashion Labels, die bewusst non-binary Mode entwerfen und damit keinen Fick drauf geben, was irgendjemand sagt. Express yourself in the boldest way.
Meerjungfrauen und Einhörner – immer schon starke Symbole der queer power to signify their otherness werden zu Kultfiguren.

Hot pink und sweet pink sind nicht was nur was für Mädchen. Es gibt keine genderspezifischen Farben, sondern einfach nur Farben. Du hast Bock drauf?
Dann gönn dir.
Ja, Pink kann durchaus ein feministisches Statement sein. Es bedeutet die Selbstaneignung einer Farbe, die solange dazu verwendet wurde, Mädchen und Frauen zu stigmatisieren, sie süß und niedlich zu halten und in eine Welt aus Zuckerwatte zu verbannen. Ebenso, wie sich Feminst*innen Wörter wie slut, bitch oder witch wieder aneignen und positiv konnotieren, geschieht dies mit den Farben Pink oder Rosa. Statt einer Unterdrückung von außen kommt es zu einer Farbexplosion von innen. Wir tragen pinke Einhörner und queere Symbole als Statement, nicht als Zeichen der Stereotypisierung. Wir sind stolz und laut, wir passen in keine Schublade und unser Look ist so divers wie unsere Persönlichkeit.
Denn immer nur Schwarz wird ja auf die Dauer auch langweilig.

3 Kommentare zu „Think Pink

    1. Hallo Christian,

      Ich stütze meine Aussage auf einige Artikel, dieich zu dem Thema gelesen habe.
      Hier zum Beispiel ein Auszug:
      „Rosa verniedliche und schwäche, kritisiert die „Pink stinks“-Kampagne. Vor hundert Jahren glaubte man das Gegenteil. In den 1920er-Jahren vermarkteten Textilunternehmen Rosa als passend für die Buben. Man sah es, wie schon seit Jahrhunderten, als das „kleine Rot“. Rot, die Farbe von Blut und Krieg, war traditionell Männerfarbe, abgeschwächt wurde es zu Rosa und schien passend für die Männer in Kleinformat. Eine Handelszeitschrift von 1918 schrieb über Kinderkleidung: „Die allgemein akzeptierte Regel ist Rosa für Buben und Blau für Mädchen. Der Grund dafür ist, dass Rosa eine entschlossenere, stärkere Farbe ist und daher passender für den Buben, während Blau, das zarter und anmutiger ist, hübscher an Mädchen ist.“ Blau hatte damals schon eine lange Tradition als Mädchenfarbe, weil es mit der Jungfrau Maria assoziiert war.“
      Quelle: http://diepresse.com/home/kultur/literatur/1408595/Farbgeschichte_Rosa-die-umstrittenste-Farbe-der-Welt

      Viele Grüße
      Leonie

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      1. das wird in einigen Beiträgen zitiert, allerdings immer auf diese vage Art: Die Zeitschrift wird nicht genannt, es gibt auch sonst keine Quelle.
        Die wissenschaftliche Untersuchung, die ich verlinkt habe, konnte aber einen solchen Trend gerade nicht feststellen.

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